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ADVISORI

Fachbeitrag

OT Recovery Readiness Check: Produktionssysteme nach einem Cybervorfall sicher wiederherstellen

Wie stellt man Produktionssysteme nach einem Cybervorfall sicher wieder her?

Voraussetzung ist, dass vor dem Vorfall bekannt ist, welche Steuerungen, Engineering-Systeme und Abhängigkeiten kritisch sind, dass aktuelle und integre Sicherungen von SPS-Programmen, Konfigurationen und Projektdaten offline oder unveränderbar vorliegen und dass ein abgestimmter Wiederanlaufplan mit Reihenfolge, Zuständigkeiten und Abnahmekriterien existiert. Ein OT Recovery Readiness Check prüft genau diese Punkte und dokumentiert Lücken mit Prioritäten.

Fachlicher Stand:

Was der Check umfasst

  1. Inventarisierung kritischer Steuerungen, Engineering-Systeme und produktionsrelevanter Abhängigkeiten
  2. Verfügbarkeit und Integrität von SPS-Programmen, Konfigurationen, Images und Projektdaten
  3. Bewertung von Offline- und unveränderbaren Sicherungen, soweit vorhanden
  4. Prüfung dokumentierter Wiederherstellungsverfahren und ihrer Aktualität
  5. Abhängigkeiten von Herstellern, Lizenzen, Engineering-Stationen und externen Dienstleistern
  6. Abstimmung von IT-Notfallmanagement, Instandhaltung, Produktion und Anlagenherstellern
  7. Sichere Wiederanlaufreihenfolge, Zuständigkeiten und Abnahmekriterien
  8. Dokumentierte Lücken, Prioritäten und Maßnahmenplan

Warum IT-Backups für die OT nicht reichen

IT-Notfallpläne decken Server und Clients ab, aber selten SPS-Programmstände, Parametersätze von Antrieben, HMI-Projekte oder die Engineering-Software mit passender Lizenz. Fehlt einer dieser Bausteine, verzögert sich der Wiederanlauf – auch wenn das Netzwerk wiederhergestellt ist. Zudem muss vor dem Einspielen geprüft werden, ob Sicherungen nicht selbst kompromittiert sind.

Ergebnisse

  • Liste kritischer Systeme mit Abhängigkeiten
  • Bewertung des Sicherungs- und Wiederherstellungsstands
  • Entwurf bzw. Überarbeitung der Wiederanlaufreihenfolge mit Rollen und Abnahmekriterien
  • Priorisierter Maßnahmenplan, verknüpft mit der OT-Gap-Analyse

Rollen und Abgrenzung

ADVISORI übernimmt Analyse, Konzeption und Umsetzungsbegleitung. Sicherungen, Wiederherstellungstests und Änderungen an Anlagen führen Ihr Team, Anlagenhersteller oder Dienstleister durch. ADVISORI bietet im Rahmen dieses Moduls keine operative Notfallbereitschaft an und sichert keine Wiederherstellungszeiten zu.

Dieser Beitrag dient der fachlichen Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Wie oft sollten SPS-Programme gesichert werden?

Mindestens nach jeder Änderung und in einem festgelegten Turnus, der sich an der Änderungshäufigkeit orientiert. Wichtiger als ein fester Intervall ist, dass der gesicherte Stand dem tatsächlich laufenden Stand entspricht und regelmäßig verglichen wird.

Gehört OT-Recovery zu den NIS2-Anforderungen?

§ 30 BSIG nennt Aufrechterhaltung des Betriebs, Backup-Management, Wiederherstellung und Krisenmanagement als Maßnahmenbereiche. Für erfasste Einrichtungen umfasst das die OT, soweit sie für die erfassten Dienste und Prozesse relevant ist.

Muss die Wiederherstellung getestet werden?

Ja, sonst ist unklar, ob Sicherungen vollständig und nutzbar sind. Tests lassen sich in Wartungsfenstern, an Ersatzhardware oder in Testumgebungen durchführen, ohne die laufende Produktion zu gefährden.